Kommission für Entwicklungsfragen (KfE) der Universität und ETH Zürich

Einträge werden als ‘Ausbildung f. Jugendliche’ kategorisiert

Bolivien-Ausbildungsprojekt / Schlussbericht

4. Februar 2008 · Kommentar schreiben

Das Bolivien-Ausbildungsprojekt in Cochabamba war zwischen den Jahren 2001 und 2006 das Hauptprojekt der KfE im Ausland und hat die dafür zuständige Arbeitsgruppe insbesondere in der Planungsphase stark in Anspruch genommen. Nach verschiedenen Abklärungen wurde im Februar 2003 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Infocal das berufliche Ausbildungsprogramm für 24 Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnisse gestartet. Das Projekt wurde durch Hans Hug (ehemaliger Mitarbeiter von Swisscontact, zuständig für das Controlling) und Ligia Muguértegui (lokale Sozialarbeiterin) vor Ort begleitet. Die TeilnehmerInnen – 23 Frauen und 1 Mann, mit unterschiedlichem Alter und meistens in Heime untergebracht – gingen vier Tage pro Woche arbeiten und einen Tag in die Schule, um Kindergärtnerinnen zu werden. Im Dezember 2004 konnten 20 Jugendliche die Ausbildung erfolgreich abschliessen. Um das Projekt-Budget von insgesamt über 25′000 US$ zu entlasten, wurde zudem im Januar 2004 an der ETH Zürich ein bolivianisches Benefizessen organisiert: Daran nahmen etwa 350 Personen teil.

Die Resultate
Die Hauptziele des Projektes wurden insgesamt erreicht und die Resultate sind insofern positiv zu bewerten, als die Fortschritte der Jugendliche bedeutend sind und die Abschlussquote hoch ist. Gemäss der Schlussimpaktevaluation, die von Hans Hug im April 2006 durchgeführt wurde, konnte bei mindestens 8-9 TeilnehmerInnen eine gewisse Verbesserung der Lebensqualität verzeichnet werden. Einzig ein angemessener Lohn für alle TeilnehmerInnen konnte im Laufe des Projektes nicht gewährleistet werden aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort. Die Zusammenarbeit mit den Partnern war trotz gewissen kommunikativen Schwierigkeiten gut, und ihr professionelles Verhalten, ihr Engagement und ihre Erfahrung waren ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Abschluss des Projektes. Eine anfänglich angestrebte Weiterführung der zweijährigen Ausbildung kam nicht zu Stande und das gleiche gilt ebenfalls für eine nachhaltige Weitergabe des Projektes. 

Der Lernprozess
Der KfE ermöglichte das Projekt einen wichtigen Lernprozess. Dabei wurden besonders folgende Lehren für zukünftige Auslandprojekte gezogen: 1) die Finanzierung sollte pünktlich und professionell verwalten werden, um die Vertrauensbasis zwischen den Partner nicht zu zerstören und Missverständnisse zu vermeiden; 2) Fundraising ist schwierig und setzt sehr viel Engagement, Zeit und Kontakte voraus; 3) die Kommunikation sollte regelmässig stattfinden und im Voraus geregelt und institutionalisiert werden; 4) die Projektleitung sollte persönlich vor Ort anwesend sein, um die Koordination zwischen den Partner zu gewährleisten; 5) die Nachhaltigkeit des Projektes sollte vor der Implementierung gut durchdacht und realistisch eingeschätzt werden; 6) die KfE-Arbeitsgruppe sollte ziemlich gross sein und eine gewisse personelle Kontinuität gewährleisten. Eine Zusammenarbeit mit professionellen Partner vor Ort ist anzustreben
MF, Bern, Januar 2008

Kategorien: Ausbildung f. Jugendliche · Bolivien

Bolivien: Projektevaluation

27. Dezember 2007 · Kommentar schreiben

Hier findet sich die ausführliche Impaktevaluation zum KfE-Bolivien-Ausbildungsprojekt.

Bolivien-Projekt: Impaktevaluation

Kategorien: Ausbildung f. Jugendliche · Bolivien · Projekte im Ausland, aktuell

Konzept des Bildungsprogramms in Bolivien 2003 – 2005

1. Januar 2006 · 1 Kommentar

1. Idee

Wir, die Bolivien-Arbeitsgruppe der KfE (BAG), möchten in Bolivien ein Berufsbildungsprogramm realisieren. Zusammen mit der nationalen bolivianischen Stiftung INFOCAL und unserer lokale Sozialarbeiterin Ligia Muguértegui soll in Cochabamba eine Lehre für KindergärtnerInnen („Parvulario“) nach Schweizer Vorbild (duale Ausbildung) eingeführt werden. Es ist unser Anliegen, dass besonders Jugendliche von der Ausbildung profitieren, die sozial aus schwierigen Verhältnissen stammen und motiviert sind, ihre eigene Zukunft durch Bildung zu verbessern und dadurch ihr Leben in die Hand zu nehmen. Das Projekt sollte für die KfE einen Lernprozess darstellen und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen viel autonomen Spielraum gewährleisten.

2. Projektbeschrieb

INFOCAL („Instituto Nacional de Formación y Capacitación Laboral“) wurde 1989 als staatliche Institution gegründet, welche zusätzlich noch Geld von Unternehmen erhielt. 1996 zog sich der Staat zurück, seither wird INFOCAL ausschliesslich von Unternehmen finanziert. INFOCAL ist in Bolivien eine anerkannte non-profit Organisation, mit Ausbildungszentren in La Paz, Cochabamba und Santa Cruz, die alle autonom voneinander arbeiten.

Das Problem am Ausbildungssystem in Bolivien ist vor allem, dass es keine Alternative zu den Universitäten gibt. Die staatlichen Universitäten sind überfüllt und es ist schwer, dort einen Platz zu bekommen. Die privaten Universitäten hingegen sind so teuer, dass es sich nur wenige Familien leisten können, ihre Kinder dorthin zu schicken. INFOCAL bietet aus diesem Grund eine duale Ausbildung nach deutschem und schweizerischem Vorbild an. Die Jugendlichen gehen an einem Tag der Woche in die Schule, den Rest der Woche arbeiten sie bei einem Unternehmen, welches ihren „Lehrlingen“ einen monatlichen Lohn bezahlt. Den einen Tag Schule absolvieren die Jugendlichen bei INFOCAL.

INFOCAL besitzt ein Schulgelände mit 15 Werkstätten und 8 Unterrichträumen, sowie 2 Essräume und einen Kindergarten, welcher für die Angestellten und die Schülerinnen von INFOCAL gratis ist.
INFOCAL Cochabamba bietet 5 verschiedene Ausbildungen an:

  • SchreinerIn
  • KindergärtnerIn
  • ElektrikerIn
  • MechanikerIn
  • Ausbildung im Tourismusbereich

Die Aufgabe von INFOCAL besteht unter anderem auch darin, die Unternehmen, die eine Lehrstelle anbieten, regelmässig zu besuchen und zu kontrollieren, welche Arbeit die Jugendlichen unter der Woche verrichten. Es findet also eine enge Zusammenarbeit zwischen INFOCAL und den jeweiligen Unternehmen statt. Die Jugendlichen, die eine solche Ausbildung absolvieren, zahlen monatlich einen Betrag an INFOCAL (ca. 10 % ihres Lohnes). Eine Ausbildung dauert zwischen 2 und 3 Jahren, am Schluss erhalten sie ein Diplom, das vom Bildungsministerium anerkannt ist.Die Ausbildung KindergärtnerIn umfasst die Arbeit mit Kindern im Alter zwischen 0 und 6 Jahren. KindergärtnerInnen sind im Moment in Bolivien sehr gefragt, denn es findet ein Umdenken statt; immer mehr Frauen mit Kindern bleiben oder werden berufstätig, es fehlt eine grosse Anzahl an Krippenplätzen und an gut ausgebildetem Personal. Die Jugendlichen, die diese Ausbildung abschliessen, haben somit eine gute Chance, einen Arbeitsplatz zu finden.

3. Ziel

Wir möchten nun zusammen mit INFOCAL ein Pilotprojekt starten. Und zwar wollen wir Jugendlichen, die von der Strasse kommen, die Möglichkeit geben, eine Ausbildung als KindergärtnerIn bei INFOCAL zu absolvieren. Zusammen mit Ligia, die verschiedene Institutionen in Cochabamba kennt die Strassenkinder aufnehmen, wollen wir eine Gruppe von ca. 25 Personen bilden, die diese 2jährige Ausbildung absolvieren wird. Die Zusammensetzung der Gruppe ist sehr wichtig und es ist deshalb notwendig, dass wir die professionelle Hilfe von Ligia Muguértegui in Anspruch nehmen.

Eine andere wichtige Aufgabe, die sowohl Ligia Muguértegui als auch INFOCAL übernehmen wird ist, dass genügend Krippen und Kindergärten gefunden werden, die einen Lohn bezahlten können. Es ist uns gleichzeitig auch wichtig, dass die Jugendlichen einen kleinen Teil ihres Lohnes an INFOCAL abgeben müssen, damit sie die Ausbildung auch ernst nehmen.

Ziel ist es, dass das Projekt über 2 Jahre von der KfE finanziert wird und dann von INFOCAL ohne unsere Hilfe weitergeführt wird.

4. Frage der Nachhaltigkeit

Dieses Projekt ist, wie mehrmals von Gerardo Wille, Präsident von INFOCAL, betont wurde, sehr attraktiv für INFOCAL. Das Projekt wird in diesem Rahmen zum ersten Mal bei INFOCAL durchgeführt. Sollte das Projekt gut funktionieren nach 2 Jahren, ist INFOCAL sehr daran interessiert, das Projekt mit eigenen finanziellen Mitteln weiterzuführen. Dies hängt natürlich sehr vom Gelingen des Projekts ab.

Evelyne Pluess von der BAG hat INFOCAL im August 2002 in Cochabamba besucht und war sehr positiv beeindruck vom Aufbau und der Organisation von INFOCAL: „Die Lehrer werden sehr gut vorbereitet, die Infrastruktur ermöglicht über 500 Jugendlichen einen Ausbildung und die Zusammenarbeit mit den lokalen Unternehmen scheint gut zu funktionieren. Die Jugendlichen erhalten eine umfängliche Ausbildung, die eine gute Alternative zu der Universität bietet. Die Chancen einen Beruf zu finden nach ihrer Ausbildung stehen gut, da zum einen das Abschlussdiplom, das sie von INFOCAL erhalten, vom Bildungsministerium offiziell anerkannt wird und da zum anderen INFOCAL einen guten Ruf in Bolivien geniesst. Ich denke, es ist wichtig diese duale Ausbildung in Bolivien zu unterstützen, um so Jugendlichen, die aus einem sozial schwierigen Umfeld stammen, eine Bildung und den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen“.

Kategorien: Ausbildung f. Jugendliche