I. Projektidee:
Die Kommission für Entwicklungsfragen (KfE) der Uni und ETH Zürich und die Behindertenorganisation Cre-Arte aus Argentinien nahmen im Frühling 2007 Kontakt auf, um ein gemeinsames Projekt zu realisieren: die Theatergruppe von Cre-Arte soll in die Schweiz eingeladen werden, um hier ihr Stück über die Geschichte des Tangos vorzuführen. Dies soll Cre-Arte die Gelegenheit geben, sich mit Gleichgesinnten aus der Schweiz auszutauschen und zugleich ihre Arbeit bei uns vorzustellen. Weiter will die KfE den Argentiniern schweizerische Behindertenorgsanisationen und deren Arbeit vorstellen und einen Austausch mit diesen ermöglichen. Während ihrem etwa zweiwöchigen Aufenthalt hätte Cre-Arte genügend Zeit, neue Ideen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und auch ein fremdes Land kennen zu lernen.
1. Hauptziel des Projektes
Die Kommission für Entwicklungsfragen (KfE) engagiert sich in entwicklungspolitischen Projekten. Jedes Projekt sollte vom Hauptziel der nachhaltigen Entwicklung geprägt sein. Durch das Projekt Tanguearte soll die Anerkennung und der Respekt für Menschen mit Behinderung gestärkt werden und dadurch die Gesellschaft bereichert und die kulturelle Vielfalt gefördert werden. Weiter soll die Vereinigung Cre-Arte als eine zivile Organisation, die einen wichtigen Beitrag in der argentinischen Gesellschaft leistet, gestärkt werden. Durch die Unterstützung einer solchen NGO wird die Gleichberechtigung und Akzeptanz in der Gesellschaft gefördert und somit die Qualität einer Demokratie erheblich verbessert.
2. Teilziele
a) Sensibilisierung der Gesellschaft für die Themen Behinderung und Armut
b) Einmalige Erfahrung für junge Behinderte
c) Austausch zwischen Organisationen
3. Methode
a) Sensibilisierung der Gesellschaft für die Themen Behinderung und Armut
Die Theatergruppe von Cre-Arte führt in der Schweiz das Stück ¨Tanguearte¨ auf. Die Zuschauer werden mit dem Thema Behinderung konfrontiert und zu Diskussionen angeregt. Weiter wird durch das Projekt auch auf die Armut und auf das Fehlen adäquater staatlicher und privater Institutionen für Behinderte in Patagonien aufmerksam gemacht.
b) Einmalige Erfahrung für junge Behinderte
Die Reise in die Schweiz und das Kennen lernen einer anderen Kultur ist für die Behinderten eine einmalige Chance, die sie wahrscheinlich nie mehr haben werden. Zudem können sie ihre Arbeit einem interessierten Publikum vorstellen, wodurch ihnen viel Mut und Selbstvertrauen gegeben wird. Die Behinderten kommen aus armen Familien, die kaum in der Lage sind, ihre Kinder zu fördern, geschweige denn, eine dem behinderten Kind gerechte Ausbildung zu finanzieren.
c) Austausch zwischen Organisationen
Cre-Arte wird sich mit Organisationen von hier treffen und austauschen können. Sie besuchen die Organisationen und nehmen an ihrem Alltag oder an einem speziell organisierten Ausflug teil. Dadurch eröffnet sich sowohl auf der Ebene der Betreuten als auch auf der Ebene der Betreuer die Möglichkeit eines regen Austausches.
Dabei werden von den Betreuern vor allem die verschiedenen heilpädagogischen Methoden, die Möglichkeiten in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, sowie die Steigerung der Anerkennung in der Bevölkerung diskutiert, die Betreuten werden eine neue Kultur und eventuell auch neue Freunde kennen lernen
Von den Gesprächen und Diskussionen profitieren beide Seiten wobei der Austausch per E-Mail oder Post weitergeführt werden kann. Es bietet sich somit die Gelegenheit bei Fragen und Unsicherheiten eine unabhängige, fachkundige Meinung einzuholen. Auch eine gemeinsame oder parallele Projektdurchführung wäre in Zukunft möglich.
II. Die Behindertenorganisation Cre-Arte
Cre-Arte ist eine nichtstaatliche Organisation aus Argentinien. Ihr Sitz ist in Bariloche, das im nördlichen Teil von Patagonien liegt. Sie ist 1995 mit dem Ziel gegründet worden, eine umfassende Betreuung von Behinderten aufzubauen und zu vermitteln.
Als erster Schritt erichtete sie ein Ausbildungs- und Kulturzentrum für behinderte Personen. Dieses Zentrum sollte für die Dienstleistungen einspringen, die vom Staat nicht abgedeckt werden. Die Vereinigung Cre-Arte enwickelt eine heilpädagogische Methode weiter, die versucht, diverse Fähigkeiten und Möglichkeiten der Behinderten zu fördern, so dass das Selbstbewusstsein und die Wertung der Personen gestärkt werden, was auch eine bessere Integration in die Gesellschaft ermöglicht.
Cre-Arte stellt die Kunst als Potenzial für die menschliche Entwicklung in den Vordergrund.
Der kreative Prozess gehört zum Menschsein und ist nicht abhängig von den körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Einzelnen. Ohne die Förderung der Kreativität verliert der Mensch sein Selbstbewusstsein und somit auch die Möglichkeit sich weiterentwickeln zu können. Die Kunst ist ein Feld, wo die Behinderten ohne Risiko ihre Kreativität ausleben und entwickeln können und die Möglichkeit erhalten, sich als eigenständige und autonome Menschen zu fühlen und nicht nur immer als Subjekt der Betreuung. Sie können durch die Kunst den Anderen ihre Fähigkeiten und ihr Weltbild vermitteln, die sozialen Beziehungen stärken und einen wichtigen Beitrag an die kulturelle Vielfalt leisten.
Cre-Arte kämpft für den Respekt für behinderte Menschen und will erreichen, dass diese sich in der Gemeinschaft als autonome Individuen weiterentwickeln können
Im Moment betreut Cre-Arte etwa 60 Behinderte im Alter zwischen 16 und 52 Jahren. Der Altersdurchschnitt beträgt etwa 23 Jahre. Die meisten von ihnen sind mental behindert. Der grösste Teil kommt aus armen Familien, für welche es in Argentinien sehr schwierig ist, behinderte Kinder aufzuziehen, da es fast keine Institutionen gibt. In Bariloche ist Cre-Arte die einzige Organisation, die in diesem Bereich arbeitet und durch ihren Einsatz einen Ausweg aus einer schwierigen Situation bieten kann.
III. Projektetappen
In der ersten Etappe des Projektes lud die KfE den Präsidenten von Cre-Arte, Luis Suero, im Juni 2007 an das zweiwöchige Behindertentheaterfestival „Okkupation“ in Zürich ein. Der Flug wurde von der KfE bezahlt und wohnen konnte er bei einem KfE-Mitglied. Während des Festivals realisierten wir zusammen mit Luis Suero eine Präsentation unseres Projektes in der Roten Fabrik (die Festivalleitung nahm uns in das offizielle Programm auf). Weiter hatte Luis Suero die Gelegenheit, Kontakte mit anderen Behindertenorganisationen aus der Schweiz und Europa zu knüpfen.
Zudem wurden wir mit dem Projekt in der argentinischen Botschaft in Bern vorstellig und präsentierten es auch in einer Abendsendung des Radio LORA.
Am 14. September 2007 reisten zwei Mitglieder der KfE nach Genf, um das Projekt an einem Infobasar anlässlich des Wettbewerbs „We care, you too?“ an der Jahreskonferenz von DEZA und SECO vorzustellen.
Die Schweizerische Vereinigung der Elternvereine für Menschen mit einer geistigen Behinderung (insieme Schweiz) widmeten unserem Projekt einen kleinen Artikel in der Septemberausgabe ihrer Zeitschrift.
Seit dem Mai 2007 ist die KfE auf der Suche nach Sponsoren. Das Budget haben wir bei etwa 48′000 Franken veranschlagt. Grösster Posten sind die Flüge für 16 Personen für die Strecke Buenos Aires – Zürich. Wir haben 2′000.- Fr. von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft und 100.- Fr. von der Buchmann-Kollbrunner-Stiftung erhalten.
Im Herbst 2008 sagte Alta Mane, eine Genfer Stiftung für Kinder und junge Leute, Cre-Arte und uns ihre Unterstützung zu. Sie finanzieren das Projekt mit 20′000 Sfr. Dank dieser Spende konnte das Projekt wieder aufgenommen werden. Gleichzeitig bot die Festivalleitung von Okkupation Cre-Arte an, ihr Tanzstück im Rahmen des Theaterfestivals Okkupation aufzuführen. Die KfE organisiert den Aufenthalt in Zürich und finanziert das Projekt mit 10′000 Sfr. Die Flüge sind nun reserviert: Cre-Arte wird vom 14. – 21. Juni 2009 in Zürich sein und zwei Auftritte während des Theaterfestivals haben.
Des Weiteren werden Treffen mit anderen Behindertenorganisationen geplant, um den Austausch zu fördern. Insieme Zürich und Hora haben bereits zugesagt und freuen sich, die Argentinier kennenzulernen.
Wir freuen uns sehr, dass das Projekt nun verwirklicht werden kann und Cre-Arte ihre Tanzvorführung an einem internationalen Theaterfestival zeigen wird. Dies nicht zuletzt dank der enormen Ausdauer und Arbeit von der Organisation Cre-Arte, die immer weiter nach Sponsoren gesucht hat, um ihren Traum zu verwirklichen.
Natürlich suchen auch wir noch weitere Sponsoren, um all die Kosten abzudecken.
Wir danken an dieser Stelle nochmals herzlich Alta Mane, der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft und der Buchmann-Kollbrunner-Stiftung für die finanzielle Unterstützung.
Weiter danken wir auch herzlich Hora und insieme für die tatkräftige Unterstützung des Projekts.
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